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"Die 24-Stunden-Betreuung darf nicht zum Luxusgut werden, sondern muss für alle erschwinglich sein", sagt Pflegeexpertin Margit Hermentin. © GUTBETREUT.AT/ Thomas Huber
"Die 24-Stunden-Betreuung darf nicht zum Luxusgut werden, sondern muss für alle erschwinglich sein", sagt Pflegeexpertin Margit Hermentin. © GUTBETREUT.AT/ Thomas Huber

„Kenne die Hilflosigkeit pflegender Angehöriger aus eigener Erfahrung“

Pflegeexpertin Margit Hermentin über ihren Weg in die 24-Stunden-Betreuung und deren schwierige Rahmenbedingungen, passend zum Österreichischen Tag der Personenbetreuung.

Der Fachverband Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer hat den 1. Juli 2026 zum ersten Österreichischen Tag der Personenbetreuung erklärt. Denn am 1. Juli 2007 trat das Personenbetreuungsgesetz in Kraft, das seither den Rechtsrahmen für die 24-Stunden-Betreuung in Österreich bildet.

Vom persönlichen Schicksal zur Unternehmensgründung

Margit Hermentin, Gründerin der in Niederösterreich und Wien tätigen Vermittlungsagentur Gutbetreut.at, verknüpft mit diesem Datum sehr emotionale und prägende Erinnerungen: „Ich war damals bei einem großen börsennotierten Unternehmen in leitender Position tätig. Parallel dazu habe ich als pflegende Angehörige versucht, die Betreuung meiner Oma, bei der ich selbst aufgewachsen bin, zu organisieren.“

Dabei hat sie so gut wie alle Varianten der Altenpflege zu Hause kennengelernt: mobile Pflegedienste, vorübergehende und permanente 24-Betreuung. „Die Hilflosigkeit in jenem Moment, als in New York, wenige Minuten vor einer wichtigen Unternehmens­präsentation mein Telefon geklingelt hat und ich erfahren habe, dass die für den kommenden Tag organisierte 24-Stunden-Betreuerin nicht zu Oma kommen könne, werde ich nie vergessen“, erzählt Hermentin.

Der Tod der Großmutter 2010 stellte die damalige Managerin vor eine Lebensentscheidung. Hermentin beschloss, ihre wirtschaftliche Kompetenz fortan mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verknüpfen und Menschen zu helfen, die als pflegende Angehörige an ihre physischen, psychischen und finanziellen Grenzen gelangen. „2012 habe ich Gutbetreut.at gegründet. Unser Ziel ist es seither, Menschen dort zu betreuen, wo sie es sich wünschen: nämlich zuhause. Die pflegenden Angehörigen können sich auf unsere zertifizierte Qualitätsarbeit verlassen, spüren echte Entlastung und profitieren von unserem langjährigen Erfahrungsschatz“, so Hermentin.

Niedrige Förderung und Einkommensgrenze gefährden 24-Stunden-Betreuung

Die Pflegeexpertin hadert allerdings mit den Rahmenbedingungen der 24-Stunden-Betreuung. Deren staatliche Förderung betrug von 2007 bis 2022 550 Euro pro Monat. 2023 wurde sie zunächst auf 640, dann auf die bis heute gültigen 800 Euro angehoben. Hermentin: „Der jahrelange Wertverlust wurde damit bei weitem nicht ausgeglichen. Die mangelnde Leistbarkeit der 24-Stunden Betreuung treibt Menschen ohne medizinische Notwendigkeit in die volkswirtschaftlich ungleich teureren und personalintensiven Pflegeheime. Eine verdoppelte Förderung der 24-Stunden-Betreuung würde die Heime entlasten – und auf längere Sicht auch die öffentliche Hand. Die Einkommensobergrenze für die bestehende Förderung sieht die Agenturleiterin ebenfalls kritisch. Seit 2007 liegt sie nämlich unverändert bei 2.500 Euro, während die Pensionen teuerungsbedingt Jahr für Jahr steigen.

Die 24-Stunden-Betreuung dürfe nicht zum Luxusgut werden, sondern müsse für alle erschwinglich sein, die so lange wie möglich zu Hause, in ihrem vertrauten Lebensumfeld versorgt werden wollen. Eine gute Förderung dieser Betreuungsform ermöglicht angemessene Honorare für die Betreuungskräfte und stellt sicher, dass diese weiterhin nach Österreich arbeiten kommen. Außerdem würde mehr Förderung den Pflegefamilien die Wahl einer qualitätsgeprüften Agentur erleichtern. Knapp 40 Agenturen in Österreich verfügen derzeit über das Österreichische Qualitätszertifikat für Agenturen in der 24- Stunden-Betreuung (ÖQZ-24), Gutbetreut.at ist eine von ihnen.

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